Biebertaler Michael Schmidt will auch im Rollstuhl auf eigenen Beinen stehen

Mancher kennt ihn als „Michelle Nr. 1“ von der Bühne, manch einer von seiner Arbeit bei der Lebenshilfe in Pohlheim und wer ihn kennt, der weiß, Michel Schmidt sitzt im Rollstuhl und das bringt Hürden mit sich, die überwunden werden wollen. Unter anderem braucht er Hilfe für Alltagstätigkeiten, die er nicht alleine leisten kann.

Anders als viele, will der 26-Jährige aber nicht die vorgegebenen Wege beschreiten. Das wäre zum Beispiel die Wohnstätte. „Ich möchte mein Leben aber soweit wie möglich selbst bestimmen“, sagt er. Dazu hat sich der Biebertaler schon immer Wege gesucht, etwa mit seinen Auftritten als Schlagersternchen. Von den Erlösen hat er sogar Spenden an andere gegeben, die Hilfe benötigen. „Das finde ich selbstverständlich. Das sollte jeder Mensch tun.“ Auch der Job im Empfang der Lebenshilfe war ein Schritt in die Selbstständigkeit. Und das ist ihm wichtig: „Ich glaube, viele Rolli-Fahrer trauen sich oft gar nicht, eigene Wege zu gehen.“

Nun stehe für ihn ein neuer Schritt der Selbstständigkeit an. Er wolle auf eigenen Beinen stehen. Zudem leide seine Mutter, Rosemarie Schmidt, an Rheuma und könne nicht mehr so. Dort lebte er bisher. Seine Idee – eine eigene Wohnung und ein Assistententeam. Die Wohnung gibt es schon. Sie sei auch bereits eingerichtet. An einigen Tagen in der Woche lebt er bereits dort und wird von Freunden und Verwandten unterstützt. Doch das sei keine Dauerlösung. Nun sucht er die Assistenten. Sie müssten keine pflegerische Ausbildung haben, schön wäre aber, wenn sie ähnliche Interessen wie er selbst hätten.

Denn es gehe einerseits um Unterstützung in alltäglichen Arbeiten, wie etwa im Haushalt, doch andererseits auch um Unternehmungen am Wochenende, wie Fitness, Musik, Schwimmbad, Discothek, Konzertbesuche, Essen gehen oder Freunde besuchen.

„Das könnte beispielsweise für Studenten interessant sein“, sagt er über sein Jobangebot. Er sucht männliche Helfer und sie sollten einen Führerschein besitzen. Ein Fahrzeug sei vorhanden. Jeweils müssten jene von Freitags 16 Uhr bis Sonntag 14.30 Uhr zur Verfügung stehen und auch vor Ort in der Wohnung im Raum Gießen übernachten. Eine Person würde jeweils an zwei Wochenenden im Monat da sein, das Ganze auf 450-Euro-Basis.

Bewerbungen möchte Michelle persönlich besprechen. Unter der Telefonnummer 0151/65176781 ist er abends ab 20 Uhr über das Mobiltelefon oder über Whatsapp erreichbar, ebenfalls kann man ihm Nachrichten auf Band sprechen.

Übrigens: Musik macht Michel Schmidt im Augenblick nicht. Ein bisschen hat der gefühlvolle junge Mann nämlich schon an den vielen neuen Schritten zu knapsen. „Meine Heimat wird immer in Biebertal sein“, sagt er ein bisschen traurig. Doch seine Augen leuchten auch gleich wieder, wenn er an seine Auftritte denkt, und dass es doch noch damit weitergeht, sei nicht ganz ausgeschlossen. Sich engagieren und andere Menschen mit Behinderungen zu ihrer Entfaltung ermutigen, will er aber auf jeden Fall.

Eines ist sicher – wer für Michel Schmidt arbeitet und ihn in seinem Leben unterstützt, der wird auf menschlicher Ebene auch viel Positives zurückbekommen.

> Gießener Anzeiger online / 10. August 2017