„Meine Musik bleibt ja präsent“

Trotz und gerade wegen seiner Behinderung bleibt der „musikalische Mutmacher“ aus Bieber, der 22-jährige Michel Schmidt, auch nach der Aufgabe seiner musikalischen Karriere und Arbeit Ende August vor allem im sozialen und Behinderten-Bereich aktiv und präsent. Der junge Mann, der im Rollstuhl sitzt, dankte im Gespräch mit dem Anzeiger allen Fans und den „Wegbegleitern“.

Seine musikalische Karriere begann er als „Schlagerstar Michelle Nr. 1“ am 28. Mai 2010 beim Hessentag in Stadtallendorf auf der „Aktivenbühne“ der Bundeswehr für Menschen mit Behinderung. Während seines musikalischen Engagements – vor einiger Zeit hat er seinen Künstlernamen in „Singer-Songwriter Michelle Nr. 1“ geändert – entstanden vier CDs: „Fliegen“, „Hallo Michelle“, „Jetzt komme ich“ und „Unbekannt“. Zu den großen Veranstaltungen, bei denen er auftrat, zählen die Hessentage in Stadtallendorf, Wetzlar und Kassel, hinzu kommen sein Debüt beim „Kinderhospiz Regenbogenland“ in Düsseldorf mit dem Sat-1-Frühstücksfernsehen, der Weltkindertag 2012 in Wetzlar sowie sein Engagement beim „Gewaltfreien Erziehungstag für Kinder“ in Wetzlar. Auftritte bei Sommerfesten der Einrichtungen der Lebenshilfe Gießen-Wetzlar 2012 und beim Tag der offenen Tür des ambulanten Kinderhospizdienstes Gießen runden den Veranstaltungsreigen ab. Hinzu kommen kleinere Auftritte im heimischen Raum, zum Beispiel bei Kunstausstellungen der Kulturinitiative Biebertal und beim Obst- und Gartenbauverein Königsberg. „Bis Ende August gebe ich noch Konzerte“, so Michel Schmidt.

Bewogen aufzuhören haben ihn eine verletzende E-Mail vor ein paar Monaten und sein neuer beruflicher Wirkungskreis im erzieherischen Bereich. Diesem will er sich intensiv widmen. „Die Leute haben eine große Erwartungshaltung. Man muss präsent sein. Dadurch habe ich wenig Zeit für Privates. Es ist alles etwas viel. Nach fast fünf Jahren Musik kann ich sagen, dass ich viel erlebt habe und zahlreiche tolle Menschen kennengelernt habe. Das Projekt ,Arbeit für Menschen mit Behinderung‘ und das Projekt ,Wünsch Dir was‘ aus Köln für kranke Kinder und die Projektarbeit bei der Lebenshilfe in Gießen und Wetzlar werde ich weiter begleiten“, so der 22-Jährige. „Mich für Menschen – insbesondere Kinder und Jugendliche – einzusetzen, ist mir wichtiger geworden, als Musik zu machen.“ Dazu gehört auch sein Engagement bei „Freiwillig sozial aktiv in Gießen“ und dem „Zentrum für selbstbestimmtes Leben“ in Gießen. „Ich weiß nicht, was in fünf Jahren sein wird. Vielleicht mache ich dann wieder Musik. Auf jeden Fall wird es eine Abschieds-CD von mir geben. Meine Musik bleibt ja auch im Internet präsent“, so Michel Schmidt, der auf seine Homepage www.schlagersaenger-michelle.de verweist. Und er fügt hinzu: „Mein persönliches Dankeschön gilt den Leuten, die meine musikalische Arbeit auf breiter Ebene möglich machten. Ein riesen Dankeschön auch besonders an meine Fans. Ich hoffe und wünsche nur, dass ich Leuten mit Handicap Mut und Selbstbewusstsein geben konnte und kann. Mögen sie weiter für ihre Ziele und Träume eintreten und sich nicht unterkriegen lassen.“

Es fällt ihm nicht leicht, die Musik aufzugeben, aber – so sagt er – alles im Leben hat seine Zeit. Der Sänger wird noch beim Hessentag in Bensheim, in Düsseldorf beim „Kinderhospiz Regenbogenland“ mit Sat 1, beim Deutschen Behindertentag in Bad Hersfeld und bei mehreren kleineren Konzerten in der Region Gießen-Wetzlar sowie bei der Aktion Behinderung/Barriere-Freiheit mitwirken. Also gibt es noch reichlich Gelegenheit, „Michelle“ musikalisch in Aktion zu sehen und zu hören.