Michel Schmidt unterwegs in Wetzlar und Friedberg

Biebertal/Friedberg (GAZ vom 29.5.2013). Er beweist, dass auch eine Behinderung herausragende Fähigkeiten zulässt. Michel Schmidt aus dem Biebertaler Ortsteil Bieber ist seit seiner Geburt rechtsseitig spastisch gelähmt.

Das bedeutet für ihn ein Leben im Rollstuhl abseits der Bewegungsabläufe, die uns selbstverständlich erscheinen.

Aber er hat nie resigniert, hat den Kampf um Gleichberechtigung und gegen die Ausgrenzung angenommen. Entschlossen, mutig und vor allem optimistisch. Dabei stellt der 22-jährige die eigene Person nicht einmal so sehr in den Vordergrund, sondern setzt sich aktiv und engagiert für die Sache der Behinderten ein. Unter seinem Künstlernamen »Michelle Nr. 1« spricht er die Leute an und rüttelt die Menschen auf. So war er selbstverständlich am Samstag beim zweiten Handicap-Festival in Friedberg auf der Bühne, das unter dem Motto stand: »Musik schafft Gemeinschaft – Wir leben Inklusion«.

Wenige Tage zuvor war Michel Schmidt in Wetzlar, wo er vor dem Herkules-Center fünf Stunden lang sang, sprach und Geld sammelte,das in diesem Fall der Behindertenarbeit der Stadt Wetzlar zugute kam. Der Auftritt dort bescherte eine dreistellige Summe. Noch mehr freut er sich aber auch über viele gute Gespräche und Kontakte zu ebenfalls Betroffenen. Sein Begleiter ist ein CD-Player mit Lautsprecherboxen, mit deren Hilfe er CDs mit Chören und Hintergrundmusik ablaufen

lässt, wozu er singt. Oft sind es eigene Kompositionen, auf denen er die Botschaften seines Anlegens transportiert. »Schau nur hin und nimm mich an«, lautet einer seiner vielsagenden Titel gegen dasWegschauen.

Jeder Mensch kann etwas erreichen und hat das Recht, angenommen zu werden. Dieser Satz ist für ihn gleichsam Credo wie Herzensangelegenheit. Mit Integration und Gleichheit kennt er sich aus, nicht zuletzt, weil er fünf Jahre in der Lebenshilfe mitgearbeitet hat. »Keine schlechte Erfahrung«, stellt er fest, »aber letztlich auch keine Erfüllung «. Ein Grund, weshalb er demnächst eine Ausbildung zum Erzieher beginnen wird.